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Plan A bis Z: Firmen können sich auf Trumponomics vorbereiten

Ein Kommentar von Alexander M. Swoboda, Geschäftsführer der FACTON GmbH, zu Donald Trumps Wirtschaftspolitik und deren Auswirkungen.

Sicher ist, dass noch nichts sicher ist. Donald Trump hat bisher nur schwadroniert, in der Wirtschaftspolitik der USA aber noch keine neuen Fakten geschaffen. Das allein hat gereicht, um in den Firmen Planspiele anzukurbeln. Unwägbarkeiten mögen Märkte gar nicht. Unternehmen weltweit, aber vor allem in Deutschland, sollten sich vorbereiten, um auf Donald Trumps neue Wirtschaftswunderwelt reagieren zu können. Rechtzeitig. Die Stellschrauben, an denen der Präsident der größten Wirtschaftsmacht der Welt drehen will sind ja bekannt – wenigstens rudimentär.
Ich bin von den Spekulationen über die zukünftige Ausrichtung der USA selbst betroffen. Als Geschäftsführer der deutschen FACTON GmbH leite ich unter anderem auch unseren Standort in Detroit, der ehemaligen Hochburg und jetzigen Geisterstadt der US-amerikanischen Autoindustrie. Allerdings habe ich den Vorteil, Chef eines Softwareunternehmens zu sein, das eine Software für die Berechnung von Produktkosten entwickelt und vertreibt. Ich kann also über das gesamte Unternehmen hinweg einheitliche Standort- und abteilungsübergreifende Kalkulationen zu unseren Produktkosten erstellen.

Trumps Traum vom Land der Fugger und Medici

Selbstverständlich sind wir als Softwareschmiede längst nicht so hart von den Kapriolen im Weißen Haus betroffen wie unsere Kunden aus der Flugzeugindustrie, der Automobilbrache, der Elektroindustrie und dem Maschinen- und Anlagenbau. Sie haben schon damit begonnen, verschiedene Szenarien neu zu kalkulieren, Parameter zu ändern.
In den Chefetagen entstehen Pläne rund um Trumps Visionen von einem Land, das er mit Mauern und Zöllen in die Handelswelt von Medici, Fugger und Co. zurück beamen möchte. Die Szenarien kreisen dabei im Wesentlichen um fünf Ansatzpunkte. Jeder Einzelne ist komplex und natürlich sind alle in einem mehr oder weniger hohen Grad interdependent. Der Gewichtung nach sind das: Reshoring, Automatisierung, Strafzölle, Währungspolitik und Lieferketten.

Reinholen, was draußen ist

Beim so genannten Reshoring geht es Trump darum, Produktionsstandorte US-amerikanischer Unternehmen außerhalb der USA wieder ins Land zurückzuholen. Millionen neuer Jobs sollen dadurch wieder im Land selbst entstehen. Bis zu 25 Prozent der vor allem in die Billiglohnländer wie China ausgelagerten Produktionen könnten wieder im heimischen Markt entstehen.
Deutsche Unternehmen sind insofern davon betroffen, als sie ihre Produkte für den US-Markt beispielsweise in China produzieren lassen. So werden Adidas-Schuhe nicht aus Herzogenaurach, der deutschen Firmenzentrale, in die USA verschickt, sondern kommen aus den Produktionsstätten in China.
Neue Standorte bedingen immer auch neue Rahmenbedingungen. Das umfasst den Bau oder die Miete von Fabriken, Anlagen, Maschinen, Lagerhaltung, Transportwesen und natürlich die Lohnkosten und Lohnnebenkosten. Die Personalgewinnung, -ausbildung und -förderung schlägt mit Faktor x Prozent zu Buche.

Automatisierung oder manuelle Produktion

Im engen Zusammenhang mit dem Reshoring steht die Frage, ob die Mehrkosten, die durch die Verlagerung der Produktion in die USA durch einen höheren Automatisierungsgrad aufgefangen werden könnten. Das ist zwar eine Ausweichstrategie, um die Kosten im Griff zu behalten, aber natürlich völlig legitim.
Bei Workarounds zur Kostendämpfung sind Wirtschaftsunternehmen von Natur aus sehr erfinderisch. Ob also in den USA weiterhin mit Mitarbeitern oder doch eher mit Maschinen gearbeitet wird, hängt ganz von der Kalkulation ab, die sich beim Reshoring ergibt.
Wie nahe diese Überlegungen sind zeigt die Tatsache, dass sich manche mittelständischen Spezialanbieter von Werkzeugen und Maschinen eine Auftragssteigerung ausrechnen. Je mehr industrielle Produktion, umso höher die Chance, dass Spezialwerkzeug aus Deutschland bestellt wird.

Rausdrücken, was drinnen ist

Diese Hoffnung geht wohl nicht auf. Trump hat nicht nur Mexiko auf dem Kieker. Alle starken Exportnationen, allen voran Deutschland, werden es über kurz oder lang mit Strafzöllen zu tun bekommen. Für BMW Luxuskarossen beispielsweise stehen zwischen 25 und 35 Prozent im Raum. Auf eine Eskalation, einen Handelskrieg, wird sich Deutschland tunlichst nicht einlassen. Dafür stehen zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Nach Schätzungen des Ifo-Instituts etwa 1,6 Millionen.
Deutschland als zweitgrößte Exportnation der Welt würde das nachhaltig erschüttern. Der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., VDMA, Carl Martin Welcker: “Die Androhung von Strafzöllen, egal für welche Industrie und welches Land, sorgt für weitere Investitionszurückhaltung, die im Maschinenbau bereits spürbar wird.” Wobei in Klammern doch die Anmerkung erlaubt ist, dass (Straf-)Zölle bereits heute gängig sind. So hat Deutschland gegen China Strafzölle als Anti-Dumping-Programm verhängt.

Strategisch auf Basis nackter Zahlen entscheiden

Die nackten Zahlen lassen sich durch gute Softwareprogramme schnell ermitteln. Ein Zoll-Aufschlag von x Prozent belastet die Bilanz in Höhe x. Ist das wirklich so einfach? Rein rechnerisch ja. Welche Konsequenzen daraus in der Unternehmensstrategie gezogen werden, ist eine andere Sache. Hier können Kalkulationen nur die Basis bieten. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
Trumps Politik führt dazu, dass sich die durch politischen Druck oder Strafzölle geschaffenen Rahmenbedingungen für Standortentscheidungen abrupt ändern und bisherige Entscheidungen hinterfragt werden müssen.
Um die richtige Entscheidungen unter den neuen Rahmenbedingungen treffen zu können, müssen produzierende Unternehmen unterschiedliche Varianten simulieren (z.B. hochautomatisierte Fertigung onshore im Vergleich zur manuellen offshore). Das ist nur mit einem Standardsystem darstellbar, das über alle internen und externen Parameter verfügt.

Währungsschwankungen

Bisher hat sich der 45. Präsident der größten Wirtschaftsnation der Welt dazu noch nicht geäußert. Auszuschließen ist es jedoch nicht, dass Trump seine Handelsbilanz durch eine Abwertung des US-Dollars aufmöbelt. Milliardenschwere Konjunkturprogramme, die er in Aussicht gestellt hat, wirken dafür eher kontraproduktiv.
Um den Kurs zu drücken und Anleger ins Land zu locken, braucht er die Unterstützung der Notenbank. Will die FED den Kurs senken, kauft sie zum Beispiel große Mengen einer fremden Währung und zahlt dafür mit US-Dollar.
Deutsche Exporteure müssten volatile Währungsschwankungen eventuell sogar längerfristig berücksichtigen und in ihre Kalkulation miteinbeziehen. Um die Risiken solcher Währungsschwankungen berücksichtigen zu können, muss der Exporteur zunächst den Einfluss der Schwankung auf die Kosten in unterschiedlichen Szenarien analysieren. Dieses Risiko kann entweder über einen Zuschlag im Preis oder aber durch eine Vereinbarung mit dem Kunden, das Schwankungsrisiko zu teilen, adressiert werden.

Gestörte Lieferkette: Ohne Metall, keine Maschinen

Laut VDMA haben die USA eine führende Position beim Import von Maschinen mit dem Label “Made in Germany”. Zudem sind die Vereinigten Staaten auch unser größtes Investitionsland. Es dürfte also kaum funktionieren, die eigene Wirtschaft durch den Abbruch von Handelsbeziehungen anzukurbeln.
Je nachdem, was Donald Trump von seinen Ideen tatsächlich umsetzt, beeinträchtigen die Verwerfungen hier bisher noch nicht genannte internationale und nationale Prozesse. Die indirekten Folgen der Trumponomics dürften nicht nur für Deutschland weitaus größer sein als die direkten. Sie reichen hinein bis in die Verfügbarkeit und Produktion von Zulieferprodukten, die in aller Welt entstehen. Werden Rohstoffe knapp, lahmt die Produktion bis hin zum Stillstand.
Der Geschäftsmann Trump weiß das sehr wohl. Ob dem Präsidenten Trump das klar ist, darf im Augenblick mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Über den Autor:

Alexander M. Swoboda, Dipl.-Kfm., ist seit über 15 Jahren in den unterschiedlichsten Funktionen im internationalen Finanz- und Strategiebereich tätig, unter anderem bei der Siemens AG, bei der Unternehmensberatung McKinsey und als Associate Partner eines österreichischen Venture Capital Fonds. Bei der FACTON GmbH war Alexander M. Swoboda zunächst als CFO und COO tätig. Seit 2015 hat er die Funktion des Chief Executive Officers inne.

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